Pflanzenheilkunde, Phytotherapie in der Zahnmedizin

Lesezeit: 4 Min.

Was ist Phytotherapie?

Phytotherapie ist der Fachbegriff für die Pflanzenheilkunde. Es handelt sich um die Möglichkeiten der Behandlung mit pflanzlichen Wirkstoffen. Die Phytotherapie bildet einen zentralen Bestandteil der Naturmedizin. Auch in der Zahnmedizin kann die Phytotherapie bei vielen Beschwerden eingesetzt werden. Vor allem gibt es Heilpflanzen, die gegen Zahnschmerzen wirken. Andere Präparate helfen wiederum gegen Erkrankungen, vorwiegend gegen Entzündungen im Mund. Die pflanzlichen Mittel können in verschiedenen Formen wie Tropfen, Tees, Tinkturen oder Mundspülungen eingesetzt werden. Zu beachten ist, dass es auch bei Anwendung der Phytotherapie zu verschiedenen Nebenwirkungen kommen kann, wenn auch allgemein in geringerem Ausmaße als bei chemisch hergestellten Medikamenten.


Wann wird eine Phytotherapie durchgeführt?

Die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) kann im Prinzip in allen medizinischen Fachgebieten zur Anwendung kommen, so auch in der Zahnmedizin. Eines der hauptsächlichen Einsatzgebiete für bestimmte pflanzliche Wirkstoffe sind Zahnschmerzen. Sie können neben anderen Medikamenten oder Hausmitteln eine Besserung bringen, bis der Zahnarzt eine ursächliche Therapie der Schmerzen vornimmt.

Da viele pflanzliche Mittel Entzündungen lindern können, können diese bei Zahnfleischentzündungen, Aphthen oder Infektionen im Mund (z. B. durch Bakterien und Viren) gegeben werden. Speziell können manche Phytotherapeutika z. B. gegen Lippenherpes, Mundsoor und andere Pilzinfektionen sowie ferner Mandelentzündungen und Rachenentzündungen helfen.

Zahnfleischbluten bietet eine weitere Möglichkeit, eine Phytotherapie durchzuführen. Einige Pflanzen können bei Verletzungen beziehungsweise Wunden im Mund oder im Rahmen von Operationen angewendet werden. Ferner gehören Parodontitis (Parodontose) und Karies (Zahnfäule) zu den Einsatzgebieten der Phytotherapie. Bei solchen Erkrankungen ist die Phytotherapie oft Bestandteil der Vorbeugung. Bestimmte Pflanzen bewirken eine Besserung von Mundgeruch.

Eine Phytotherapie kann des Weiteren gegen die psychischen Auswirkungen einer Zahnbehandlung wie Zahnarztangst und Panik, Stress und Unruhe helfen.

Was müssen Patienten im Rahmen der Phytotherapie beachten?

Bei Zahnschmerzen und unklaren Beschwerden im Mund sollte sich der Patient immer auch beim Zahnarzt vorstellen, um Ursachen auszuschließen, die eine spezielle Therapie erfordern. Eine Eigenbehandlung durch Phytotherapie bedarf in jedem Fall einer Rücksprache mit dem Arzt, wenn der Patient an einer Immunschwäche oder einer schweren Organerkrankung leidet oder wenn eine Schwangerschaft besteht. Bei schweren Krankheitsbildern ist eine Phytotherapie oft alleine nicht ausreichend, kann aber als zusätzliche Maßnahme helfen.

Funktionsweise und Anwendung

In der Phytotherapie verwendete Heilpflanzen enthalten eine Reihe von Stoffen (unter anderem ätherische Öle und Gerbstoffe), die gesundheitsförderlich sind oder sogar spezifisch gegen Krankheiten wirken. Jede Pflanzenart hat ihr eigenes Wirkspektrum und wird kann daher bei bestimmten Symptomen angewendet werden. Das jeweilige Präparat kann aus ganzen Pflanzen, in anderen Fällen aus Pflanzenbestandteilen hergestellt werden. Die Pflanzen werden frisch verwendet oder zu Extrakten, Ölen, Harzen, Tinkturen, Tee, Mundspüllösungen oder Aufgüssen verarbeitet, bevor sie angewendet werden. Da die Phytotherapie zur Naturheilkunde gehört, ist eine chemische Auftrennung der Pflanzen in einzelne Wirkstoffe nicht angedacht. Somit ist aber auch die Wirkbreite größer als bei Einzelmedikamenten.

In der Phytotherapie werden rationale von traditionellen Behandlungsansätzen abgegrenzt. Rational bedeutet, dass eine Wirkung des Präparates wissenschaftlich nachgewiesen ist. Traditionelle Pflanzenheilkunde basiert dagegen nur auf Erfahrungswerten früherer Generationen.

Die Phytotherapie in der Zahnmedizin umfasst eine Vielzahl von Pflanzen. Nicht selten werden einige Pflanzenpräparate auch kombiniert angewendet. Zu den Pflanzen, die in der zahnheilkundlichen Phytotherapie angewendet werden, gehören die im Folgenden aufgezählten Gewächse.

Die Anwendungsgebiete sind Beispiele, da die Präparate meist eine vielseitige Wirkung haben:

  • Aloe vera - gegen Schmerzen und Bakterien
  • Anis - gegen Mandelentzündung
  • Baldrian - zur Beruhigung
  • Blutwurz - bei Zahnfleischentzündung
  • Eibisch - gegen Reizerscheinungen
  • Eiche - gegen Zahnfleischentzündungen
  • Eukalyptus (Öl) - bei Parodontitis (Parodontose), gegen Bakterien
  • Gänsefingerkraut - bei Entzündungen und zum Schutz der Mundschleimhaut
  • Gewürznelke - gegen Zahnschmerzen und Zahnfleischentzündungen
  • Grüner Tee - als Schutz
  • Heidelbeere - gegen Bakterien, bei Zahnfleischbluten, als Schleimhautschutz
  • Hirtentäschel - gegen Keime, bei Zahnfleischbluten
  • Hopfen - zur Beruhigung
  • Johanniskraut - zur Beruhigung
  • Kamille - gegen Keime
  • Magnolie - gegen Mundgeruch
  • Malve - gegen Entzündungen
  • Melisse - gegen Schmerzen
  • Myrrhe - gegen Entzündungen und Keime
  • Pfefferminze - gegen Bakterien, gegen Mundgeruch
  • Ratanhia - als Schutz
  • Ringelblume - gegen Bakterien, hat eine Schutzwirkung
  • Rosmarin (Öl) - bei Parodontitis, gegen Bakterien
  • Salbei (z. B. als Tee) - gegen Zahnschmerzen, gegen Bakterien und Viren, zur Blutungsstillung
  • Schwarzer Tee - als Schutz
  • Sonnenhut - gegen Viren
  • Teebaum (Öl) - gegen Parodontitis, gegen Karies, bei Wunden, gegen Bakterien
  • Thymian - gegen Mandelentzündungen
  • Vogelknöterich - zum Schutz
  • Weiße Taubnessel - gegen Reizerscheinungen
  • Zaubernuss - als Schutz

Eine häufige Anwendungsform der pflanzlichen Präparate ist die Mundspülung. Weitere Möglichkeiten sind z. B. Lösungen, Tees, Mittel zum Auftragen oder zum Einnehmen. Die Präparate sollten immer in der verordneten Anwendungsform und in der richtigen Dosierung zum Einsatz kommen. Zusätzliche Maßnahmen können sinnvoll sein, wie z. B. eine Kühlung bei Schmerzen. Bei stärkeren oder länger andauernden Beschwerden sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden, der gegebenenfalls eine intensive Therapie einleitet.

Mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen der Phytotherapie

Die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) gilt als eher sanft, dennoch können die Wirkstoffe oder andere Bestandteile zu Nebenwirkungen führen. Es kann zu einer Überempfindlichkeit oder einer allergischen Reaktion kommen. In manchen Fällen kann es zu Vergiftungen durch die jeweilige Pflanze kommen.

Erfolgsaussichten der Phytotherapie

Die Möglichkeiten der Phytotherapie können in vielen Fällen auch in der Zahnmedizin erfolgreich eingesetzt werden. Sie dienen vor allem der Unterstützung anderer, meist schulmedizinischer Heilmethoden. Bei leichten Krankheitsbildern kann die Phytotherapie aber auch als alleiniger Behandlungsansatz ausreichen.




Letzte Aktualisierung am 14.10.2009.
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