Wurzelkanal aufgefüllt, ohne Röntgen?

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Didi  fragt am 21.08.2019
Hallo Zusammen, kennt sich wer damit aus?

Es wurden (mit irgendwas) die Tiefe der Wurzelkanäle "gemessen" - im Grunde wurden sie aber -ohne- Röntgen aufgefüllt. Das Ganze wurde ohne lokale Betäubung durchgeführt (Reinigen und Auffüllen). Wobei das Ganze insgesamt nicht länger als 10 Minuten gedauert hat (man stelle sich an dieser Stelle trotzdem den Schmerz vor, ich hab das erste Mal nach Jahrzehnten beim ZA geheult).

Habe im Internet gelesen, dass man wohl ohnehin erst mal Röntgen muss, bevor die Wurzelkanäle aufgefüllt werden? Und so eine Wurzelkanalreinigung dauert (laut Internet) ein wenig länger?
Bin verunsichert.

Kurz vorab, was überhaupt passiert ist:
Mir ist die Plombe vor 1,5 Jahren zur Seite komplett raus gefallen (Backenzahn, der zu 50% Substanz verloren hat und zur Hälfte gefüllt war).
Bin 1,5 Jahre ohne Füllung rumgerannt. Nach 1,5 Jahren hat sich dann erfolgreich Karies gebildet und so. Die damalige Zahnärztin sagte, der Zahn sei "modrig" und meinte, weder Wurzelbehandlung noch Krone: Nix.
Sie hat ihn gesäubert und gemeint so schnell als möglich wieder in die Praxis kommen und ziehen, bevor das ausartet.

Tja... dann sind wieder 8 Monate vergangen, der Schmerz wurde unerträglich und abgesehen davon gibt es einen ausgewachsenen WZ in der Zahnreihe, und ich merke immer wieder (seit circa 4 - 5 Jahren jetzt), wie sich die Zähne langsam verschieben...ich glaube jedoch, dass mir deshalb die Plombe rausgefallen ist, denn Schmerzen oder Karies hatte ich an dem Backenzahn zuvor nicht. (Das kann ich ziemlich sicher sagen). Jedenfalls tat mein Kiefer da auch schon ab und zu weh, und als die Plombe raus fiel, hab ich eben die Verknüpfung zum WZ gehabt.

Das Ende vom Lied: Vor mittlerweile 1,5 Wochen hatte ich unerträgliche Schmerzen, Ibu 400 mg hat rein gar nichts gebracht. Mittlerweile steht da ne neue Zahnärztin; die dann nur gemeint hat, der Zahn sieht "gut aus" von außen und hat die Zementfüllung geschliffen.
Auf den Vitaltest hat weder der Füll-Zahn noch die beiden Zähne daneben reagiert, woraufhin sie nur sagte "Sie sind aber arg kälteresistent, haha". Hab ihr zwar gesagt, wie ich als Laie die Situation bewerte, aber darauf witzelte sie nur "aber dann müsste ich ja ALLE Zähne aufbohren, um zu sehen, welcher Probleme macht" (die anderen Zähne sind nicht gefüllt). Sie schickte mich nach Hause.

In der Nacht musste ich zum Notdienst weil ich zusätzlich zum Zahnschmerz auch einen heftigen und zerschmetternden Intervall-Schmerz im Kiefergelenk hatte (hab vor Schmerz Geschrien).

Der Notdienst hat umgehend ein Röntgen durchgeführt, den Zahn geöffnet, ne Menge Eiter entfernt und notversorgt. Der Zahn war bereits abgestorben.

Am nächsten Tag bei der Zahnärztin angekommen sagte diese nur "Ich seh' kein Eiter, der Zahn sieht gut aus", dann sagte ich ihr, dass der Zahn tot ist. Daraufhin schnappte sie sich irgendwas (ka) und stocherte im Zahn rum, auf mein Geschrei sagte sie "Dachte der Zahn sei tot?!". Woraufhin ich beim Notdienst-Doc anrief und um das Röntgen gebeten habe und einen 2/3-Zeiler wegen des Eiters.

Ich hatte auch noch 2 Tage später Schüttelfrost, 3 - 4 Tage leichtes Fieber, extrem starke Kopfschmerzen. Sie wollte mir kein Antibiotika geben, woraufhin ich zum Internisten ging, und ihm erst mal nur meine Symptome schilderte: Schüttelfrost, seit mehreren Tagen Fieber und vor allem starke Kopfschmerzen (konnte kaum sitzen), mir ging es sehr schlecht. Er machte nur 2 Dinge: Lunge abhören und danach hat er sich meine Zähne ausgiebig angeschaut und da erzählte ich ihm, was passiert war. Die Sache schien für ihn ziemlich eindeutig zu sein. Hab daraufhin Anti-B und eine1-wöchige Krankschreibung bekommen OHNE das ich irgendwas sagen musste. Er fragte lediglich, was die Zahnärztin eigentlich so macht.


Am nächsten Tag reinigte sie den Zahn und tunkte einen kleinen Busüschel Watte in einer extrem starken Tinktur? Ich weiß es nicht. Aber mein ganzer Mund schmeckte nach dem Zeug. Das war kurz vor WE. Am WE musste ich also wieder zum Notdienst, weil der Zahn durch die Watte stark blutete, woraufhin der Notdienst das Medikament wechselte (allein vom Geschmack war es um wesentliche Stufe sanfter und ich merkte, dass es dem Zahn gut tat).

Tja, nach dem Wochenende also wieder zu ihr hin. Und heute hat sie ohne großen Aufwand den Wurzelkanal gefüllt. Ohne Röntgen. Ohne ?? Keine Ahnung. Ich weiß NICHT , was sie gemacht hat. Ich hatte starke Schmerzen. Wurde nicht betäubt. Die Prozedur hat nur 10 Minuten gedauert. Dann hat sie ein Medikament reingelegt und den Zahn verschlossen und gemeint, das Medikament wirkt 14 Tage.

Leute, ich hab Angst. Ist sie eine Sadistin?

Der Zahn reagierte die ganze Zeit sehr stark auf's Klopfen. Seit sie die Kanäle gestopft hat, ka, ich spüre da nix mehr. Wie soll das funktionieren? Hab echt Schiss dass da das nach hinten los geht.
 
Didid  sagt am 21.08.2019
Nachtrag: *NUR 10 Minuten ist so u verstehen, dass man im Net häufig liest, das eine Reinigung (wenn man sie vernünftig macht) mehr Zeit in Anspruch nimmt?

Und natürlich waren diese 10 Minuten die reinste Hölle. Ich glaub auch die Zahnhelferin war leicht schockiert, die hat den Raum fix verlassen.... und ich glaub die hatte sogar ne kleine Diskussion mit der Zahnärztin einige Tage zuvor wegen der Sache mit dem "Ich dachte der Zahn sei tot?" - sie hat mir vorher nämlich nicht gesagt, was passieren wird, nicht vorgewarnt und schon gar nicht informiert als sie urplötzlich im Zahn rumstocherte. Denn ich erzählte ihr schließlich auch, dass die vorherige Zahnärztin bereits sagte, dass der Zahn raus muss. Und die neue redet die GANZE ZEIT nur davon, den Zahn zu überkronen. Aber das lehnte ich aus mehreren Gründen bereits ab.

Der Internist sagte, dass die Entzündung KOMPLETT abklingen muss, nicht halb oder sonst was, sondern komplett. Oder eben Zahn raus, aber dass das alles so nicht bleiben darf, weil sonst durchaus wohl auch andere Bereiche im Körper in Mitleidenschaft gezogen werden können. Der Notdienst-Doc sagte, dass der Zahn erst mal nicht geschlossen werden darf, so lang die Entzündung nicht behandelt wurde (weil sich Gase bilden etc.)

Die Zahnärztin versicherte mir zwischendurch, dass ich selbst entscheiden dürfte, ob der Zahn raus kommt. Aber sie bereitet ihn die ganze Zeit schon auf. Und da diesem Menschen offenbar nur die Optik allein schon ausreicht, um eine Diagnose zu stellen.... sie sagt einfach die ganze Zeit schon "Der Zahn zeigt keine Auffälligkeiten". Auch an dem Tag, als sie mich ohne fachliche Untersuchung nach Hause schickte und der Zahn dort schon stark vereitert war.

Kann irgendwer sagen, ob das so richtig ist mit dem Wurzelkanal? Mir blüht hoffentlich nicht die nächste starke Entzündung oder dergleichen.
 
Phiil  sagt am 21.08.2019
Hallo Didid

so wie sie die Situation schildern ist ihre Zahnärztin eine Amateurin bei der sie ihre Zähne nicht mehr behandeln lassen sollten. Ich habe selber schon leider sehr viel erleben müssen was das Thema Zähne und Zahnwurzelentzündungen angeht und was dabei alles schief gehen kann. Ich berichte ihnen kurz von meinen Erfahrungen und was am besten für sie jetzt ist.
Wurzelkanalrevision: Bei der Wurzelkanalrevision wird die alte Wurzelfüllung entfernt und der Zahn noch einmal öfters durchgespült bis die Entzündung abgeklungen ist. Diese Behandlung würde ich ihnen empfehlen. Danach wird der Zahn mit einer neuen Wurzelfüllung gefüllt. Diese Behandlung müssen sie bei einem Endodontologen durchführen lassen. Ein Endodontologe ist ein Zahnarzt der auf Wurzelbehandlungen spezialisiert ist. Aber sie müssen aufpassen der Begriff ist nicht gesetztlich geschützt und jeder Zahnarzt kann sich so nennen obwohl er nicht die richtigen Qualifikationen dafür hat. Einen guten Endodontologen finden sie auf der Internetseite Verband deutscher zertifizierter Endodontologen. Ich würde auch bei einer Wurzelbehandlung sofort zum Endodontologen gehen. Die normalen Zahnärzte sind mit einer Wurzelbehandlung meistens überfordert und kriegen es nicht hin. Leider ist die Wurzelkanalrevision sehr teuer und kann über 1000 Euro kosten, aber das ist die beste Möglichkeit in so einem Fall.
Wenn die Wurzelbehandlung nicht richtig gemacht wird dann ist das Ergebnis das sich die Entzündung auf die Wurzelspitze ausbreitet. Dadurch bekommt man nach der Wurzelbehandlung nach einiger Zeit weiterhin starke Schmerzen. Die Entzündung kann man daraufhin erst nach ein paar Wochen oder Monaten auf dem Röntgenbild als schwarzer Schatten unter dem Zahn erkennen. Der schwarze Schatten ist dann die Stelle bei der sich der Knochen wegen der Entzündung unter dem Zahn abbaut.
Die Wurzelspitzenresektion würde ich nicht empfehlen. Bei der Wurzelspitzenresektion wird die Zahnwurzel abgeschnitten und das übrige Stück dicht gemacht. Das Problem ist, das die Bakterien weiterhin im Zahn sind. Sobald das abgedichtete Stück undicht wird kommen die Bakterien aus dem Zahn und man bekommt wieder Schmerzen und eine Entzündung. Auserdem wird bei der Wurzelspitzenresektion der Knochen entfernt sodass man sehr lange kein Implantet setzen kann, wenn man sich den Zahn doch noch ziehen lässt.
Ich hoffe ich konnte ihnen weiterhelfen.

Gruß Phil

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