Mundgeruch, Halitosis, Foeter ex ore

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In den meisten Fällen sind die Zähne Ursache für Mundgeruch

Definition

Mundgeruch ist ein übler Geruch der Atemluft, der meist von den betroffenen Personen selbst nicht wahrgenommen wird, aber für die Umgebung sehr unangenehm sein kann.

Die Folgen für den Betroffenen sind oft Isolation und Vereinsamung. Wenn die Ursachen für den Mundgeruch in der Mundhöhle selbst liegen, spricht man von „Foetor ex ore“. Dies ist bei über 90% der Betroffenen der Fall. Liegt der Grund woanders, z.B. bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes spricht man von üblem Geruch der Atemluft (Halitosis). In diesem Fall riecht auch die Atemluft bei geschlossenem Mund, also durch die Nase, unangenehm.

Es wird kurzzeitiger und dauerhafter Mundgeruch unterschieden, wobei der kurzzeitige meist durch den Verzehr bestimmter Speisen, wie Knoblauch oder Zwiebeln entsteht, während die Ursache des dauerhaften, unter dem 5% der Bevölkerung leidet, auch medizinisch abgeklärt werden sollte.

Mundgeruch ist keine eigenständige Krankheit, in den meisten Fällen harmlos und kann mit geeigneten Maßnahmen schnell und sicher beseitigt werden. Er kann aber auch ein Indiz für mögliche Erkrankungen darstellen.

Ursachen des Mundgeruchs

Der schlechte Atem entsteht meistens in der Mundhöhle selbst, oft hervorgerufen durch mangelnde oder falsche Mundhygiene.

Der Mund ist natürlicherweise mit einer Vielzahl von Bakterien und Mikroorganismen besiedelt, die sich dort von den Resten der Nahrung ernähren. Besonders gut gedeihen sie bei einem pH-Wert, wie er nach dem Essen im Mund herrscht. Gerne besiedeln Bakterien Nischen, also Stellen, wo die Zahnbürste nicht ohne weiteres hinkommt und wo Speisereste  auch längere Zeit verbleiben. Natürliche Nischen im Mund finden sich beispielsweise auf dem rauen hinteren Drittel der Zunge oder in den Zahnzwischenräumen, die auch eine prädestinierte Stelle für Karies sind.

Weitere Nischen entstehen durch kranke Zähne und Zahnfleisch: halb durchgebrochene Zähne, Parodontitis, Zahnbeläge (Plaque) oder faulende Zähne (Karies) stellen den idealen Nährboden für die Bakterien da. Kommen noch weitere Faktoren hinzu, wie ein verminderter Speichelfluss (Xerostomie), so dass kein regelmäßiger Bakterienabfluss gewährleistet ist, haben es die Bakterien noch leichter, sich in hoher Geschwindigkeit zu vermehren.

Leidet ein Patient beispielsweise an einer Erkrankung, bei der die Nasenatmung behindert ist (z.B. Schnarchen, Polypen) kommt es durch die Mundatmung zu einem Austrocknen des Mundes.
Beim Zersetzen der Nahrung produzieren die Bakterien z.B. schwefelhaltige Stoffwechselprodukte. Diese flüchtigen Schwefelverbindungen und Fettsäuren machen den übel riechenden Geruch des Atems aus.   Auch bestimmte Nahrungsmittel, wie Knoblauch oder Zwiebeln, führen einmal direkt durch ihre Reste im Mund zum typischen Geruch. Auch dadurch, dass ihre Stoffe im Darm aufgenommen, im Blut transportiert und über die Lunge wieder ab geatmet werden.  

Aber nicht immer ist das Problem beim Mundgeruch auch im Mund zu finden. Mundgeruch ist ein Symptom von zahlreichen anderen Erkrankungen.

Infektionen im Allgemeinen spielen eine wesentliche Rolle: Eine Infektion im Nasen-Rachen-Raum oder eine Mandelentzündung führt durch Eiterbildung, belegte Zunge und Mundatmung auch zu schlechtem Atem.

Auch Atemwegs- oder Lungenerkrankungen, die mit einer vermehrten Schleimbildung einhergehen, wie eine eitrige Bronchitis, Lungenentzündung oder Lungenabszesse, können eine Ursache sein.  

Dabei stellen der Schleim und der an sich schon übel riechende Eiter den Nährboden für Bakterien dar, die durch ihre eigenen Stoffwechselprodukte einen schlechten Geruch verursachen. Ursächlich für Mundgeruch kann auch eine Erkrankung des Verdauungssystems sein.  
In der Speiseröhre (Ösophagus) können sich z.B. kleine Ausbuchtungen bilden (Ösophagusdivertikel), in denen die geschluckten Speisen teilweise hängen bleiben, dort zersetzt werden und zu einem sehr starken und unangenehmen Geruch führen. Auch Tumore der Speiseröhre, die allerdings sehr selten sind, können zuerst durch den Geruch auffallen.

Ähnlich sieht es im Magen aus. Magenentzündungen (Gastritis) oder -geschwüre, die durch einen bestimmten Keim (Helicobacter pylori) ausgelöst werden, treten neben den Oberbauchbeschwerden oft durch den Mundgeruch (Halitosis) in Erscheinung.

Alle Krankheiten, die die Nahrungspassage durch den Magendarmtrakt behindern, wie z.B. eine Einengung des Magenausgangs (Magenausgangsstenose) oder ein Darmverschluss können sich ebenfalls in schlechtem Atem äußern.

Relativ spezifische Gerüche entstehen bei manchen Stoffwechselerkrankungen oder -entgleisungen. Fällt beispielsweise die Funktion der Leber bei einem Leberkoma (Coma hepaticum) oder bei der Leberzirrhose (Zerstörung und Umbau in Bindegewebe der Leber) sehr stark ab, kommt es durch den Anstieg der nicht mehr entgifteten Stoffwechselprodukte des Körpers zu einem typischen Geruch (Foetor hepaticum).

Spezifische Gerüche entstehen auch bei einem Ausfall der Niere oder bei einem entgleisten Diabetes. Auch Hungerzustände, wie sie bei der Magersucht (Anorexia nervosa) selbst herbeigeführt werden, führen durch den vermehrten Abbau körpereigener Eiweiße zu schlechtem Atem.

Manchmal findet man auch einfach keine Erklärung, warum übel riechende Fettsäuren ab geatmet und als Mundgeruch wahrgenommen werden (essenzielle Halitosis).

Nicht zuletzt begünstigen auch äußere Faktoren wie Rauchen, Alkohol, manche Medikamente oder psychischer Stress das Auftreten von Mundgeruch.


Symptome

Mundgeruch ist ein Symptom vieler Krankheiten. Allein durch den Mundgeruch kann man keine Krankheit diagnostizieren, es kommt immer auf die Kombination mit weiteren Symptomen an, die den Arzt in die richtige Richtung leiten.

Aber da Mundgeruch nicht gleich Mundgeruch ist, kann man noch mehr Hinweise bekommen, wo seine Ursache liegt.

Für die häufigste Ursache, nämlich ein Problem in der Mundhöhle oder am Gebiss, ist ein strenger faulig-ranziger Geruch typisch.

Ist der Geruch eher säuerlich und vor allem nüchtern am stärksten, liegt häufig eine Magenerkrankung vor. Riecht er nach Eiter, sollten die Atemwege und die Lunge untersucht werden. Ein Aceton-Geruch (wie Nagellackentferner) kann auf einen entgleisten Diabetes oder auf Hungerzustände hinweisen.


Diagnose

Die Diagnose, ob jemand Mundgeruch hat oder nicht, ist im Normalfall schnell zu stellen. Zu bedenken ist, dass die betroffene Person meistens selbst nicht merkt, dass sie Mundgeruch hat und so auf die Ehrlichkeit ihrer Mitmenschen angewiesen ist.

Als sehr ungenauer Selbsttest für daheim kann man auch versuchen, vor dem Zähne putzen sich mit einem Wattestäbchen vom hinteren Zungendrittel etwas Belag abzuwischen, diesen kurz trocknen zu  lassen und dann daran selbst zu riechen.

Manche Zahnärzte bieten an, die Stärke des Mundgeruches zu messen, in dem sie mit einem speziellen Gerät (Sulfidmonitor) die flüchtigen Schwefelverbindungen in der Ausatmungsluft messen. Wichtiger ist, in einem ersten Anamnesegespräch zu klären, seit wann der Mundgeruch besteht, ob er beständig oder nur zur bestimmten Tageszeiten auftritt, ob der Patient zusätzlich unter einem schlechten Geschmack im Mund leidet, ob er einen bestimmten Geruch hat und ob er offensichtlich im Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln, Medikamenten usw. steht.

Beim Zahnarzt muss geklärt werden, ob die Zähne den Grund für den Mundgeruch sind und möglicherweise sanierungsbedürftig sind. Hier sollte auch sehr genau die Mundhygiene analysiert werden, um mögliche Fehler zu erkennen und zu korrigieren.

Erst wenn sich hier kein Hinweis auf die Ursache des Mundgeruches finden lässt, sollte man die möglichen weiteren Gründe von Fachärzten abklären lassen.


Differenzialdiagnose

Kann der Zahnarzt keine Ursache feststellen, die zum Mundgeruch führt, ist eine weiterführende Diagnostik sinnvoll.

Zuerst sollte der Nasen-Rachen-Raum durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt untersucht werden, um beispielsweise anatomische Besonderheiten zu finden, die entweder zu einer verstärkten Nischen-Bildung oder zu einer Mundatmung und damit zu einer Austrocknung der Schleimhäute führen.
Ist auch hier nichts zu finden muss durch den Internisten der Magendarmtrakt, die Stoffwechsellage (Zucker, Leber, Niere) und die Lunge überprüft werden.

Therapie

Mundgeruch ist in den meisten Fällen eine Folge mangelnder Mund- und Zahnhygiene. Beim Zahnarzt sollte das Gebiss soweit es nötig ist saniert werden (Kontrolle der Füllungen, Kronen , des Zahnfleisches) und eine Aufklärung und Anweisung zur effektiven Zahn- und Mundreinigung erfolgen.Die richtige Technik beim Zähne putzen und die richtige Auswahl der Zahnbürste spielen eine große Rolle.

Die regelmäßige Anwendung von Zungenbürsten, Zahnseide und Interdentalbürsten helfen, auch die Problemzonen im Mund zu erreichen und dort die geruchbildenden Bakterien zu bekämpfen.

Mundsprays oder Mundspülungen können unterstützend angewendet werden. Es gibt Spüllösungen, die antibakteriell wirken (Wirkstoffe z.B. Hexetidin, Ethacridinlactat, Benzalkoniumchlorid + Desqualiniumchlorid) und Lösungen, die die Geruchsstoffe binden (Wirkstoffe z.B. Chlorophyll, Wasserstoffperoxid), also rein symptomatisch wirken.

Eine ausreichende Trinkmenge (zuckerfrei) hilft den Mund feucht zu halten und durchzuspülen. Auch Kaugummi kauen und essen von hartem Brot oder Äpfeln fördert den Speichelfluss und ermöglicht somit eine Durchspülung des Mundes und Abfluss der Bakterien.

In den Fällen, bei denen der Mundgeruch auf eine andere ursächliche Krankheit zurückzuführen ist, sollte soweit wie möglich kausal behandelt werden, d.h. die Krankheit an sich sollte therapiert werden.

Infektionen (Mandelentzündung, Lungenentzündung, Magenentzündung) werden mit entsprechenden Antibiotika therapiert. Bei Polypen, Ösophagusdivertikeln (Einstülpungen in die Speisenröhrenwand), Lungenabszessen etc. ist möglicherweise ein chirurgischer Eingriff nötig. Stoffwechselentgleisungen können zum Teil durch spezielle Diäten wieder gebessert werden.


Prognose

Die Prognose ist abhängig von der jeweiligen Grundkrankheit.

In den häufigsten Fällen lassen sich durch wenige einfache zahnmedizinische Maßnahmen und Verhaltensänderungen in der Mundhygiene dauerhaft gute Erfolge erzielen.

So liegt es meist in der Eigenverantwortung des Patienten, ob er durch regelmäßige Kontrollen und Pflege seines Mundes und seiner Zähne dem erneuten Auftreten von üblem Mundgeruch entgegenwirkt oder ob es zum erneuten Auftreten des Mundgeruches kommt.

Zum Teil ist eine dauerhafte zahnmedizinische Betreuung notwendig, um die Zähne regelmäßig professionell reinigen zu lassen (Professionelle Zahnreinigung), Zahnstein und Plaque zu entfernen und Karies im Anfangsstadium zu erkennen und zu behandeln.

Bei den meisten anderen möglichen Krankheiten, die ursächlich für den Mundgeruch sind, wird die Prognose des Mundgeruches von der zum Teil sehr schlechten Prognose der Grundkrankheit  (z.B. beim Leberkoma) klar überdeckt.

Hinweise für Patienten

Mundgeruch ist immer noch ein Tabuthema, obwohl ein Drittel der Bevölkerung gelegentlich darunter leidet. Mundgeruch ist aber erstmal keine Krankheit und in den meisten Fällen sehr gut durch einfache Maßnahmen zu therapieren.
Bevor man also das schlimmste befürchtet, kann man sich selbst einmal genauer mit dem Thema Mundhygiene, richtiges Zähne putzen beschäftigen und sein eigenes Verhalten in diesem Bereich gegebenenfalls ändern.

Falls solche einfache Maßnahmen erfolglos bleiben, braucht man sich nicht zu genieren, das Thema beim Arzt anzusprechen.



Letzte Aktualisierung am 12.10.2009.
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