Keramikimplantate - ja oder nein?

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porta  fragt am 31.07.2010
Ich war jetzt bei zwei Zahnärzten. Während der erste mir zu Keramikimplantaten rät, hat der zweite komplett davon abgeraten. Angeblicher Vorteil der Keramikimplantate: kein Metall. Nachteil der Keramikimplantate: deutlich weniger Erfahrung als mit herkömmlichen Titan-Implantaten. Jetzt bin ich irritiert. Was meinen die Experten?
Portrait Dr. Sebastian von Mohrenschildt, Zahnärztliche Praxis, RoKa9, München, Zahnarzt
Dr. von Mohrenschildt  sagt am 31.07.2010
Die aktuelle Datenlage von Keramikimplantaten ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht überzeugend. In der Literatur liegen die Überlebensraten von Keramikimplantaten noch immer weit unter denen von Titanimplantaten. Den Vorteil, kein "Metall" zu verwenden, kann ich nicht teilen, zumal die sogenannten Keramikimplantate nicht wie fälschlicherweise vermutet aus Keramik sondern aus Zirkoniumoxid bestehen, und Zirkon wiederum zählt im chemischen Sinne auch zu den Metallen. Ebenfalls sollte die Verbreitung von Keramikimplantaten im Vergleich zu herkömmlichen Titanimplantaten zu denken geben: wenn Keramikimplantae wirklich eine so durchschlagende Innovation wären, hätten sie die Titanimplantate schon längst vom Markt vertrieben. Persönliches Fazit: in meiner Praxis werden nur Titan-Implantate von führenden Implantat-Herstellern (Vorsicht vor Billig-Anbietern!) verwendet, um die Sicherheit der Patienten und die Langlebigkeit der Implantate zu gewähren.
Portrait Dr.med.dent. Walter Quack, Zahnarztpraxis, Digitale Volumentomographie, Implantologie, Zahnarzt Volumentomographie, Bergisch Gladbach, Zahnarzt, Fachkunde DVT (Digitale Volumentomographie),
Dr.dent. Quack  sagt am 01.08.2010
Ich kann die Meinung von Dr. Mohrenschildt nur nachdrücklich unterstützen. Keramikimplantate erhöhen den finanziellen Aufwand und das Misserfolgsrisiko nach bisher vorliegenden Daten ganz deutlich, ohne wirklich Vorteile zu bieten. Beim Aufbauteil über ein "Keramikabutment" nachzudenken kann dagegen im ästhetisch wichtigen Frontzahnbereich durchaus sinnvoll sein
 
maxi  sagt am 03.08.2010
Wir verwenden Keramikimplantate seit mehr als 6 Jahren. Merkwürdigerweise wissen deren Gegner komplett unterschiedliche Argumente, warum diese nicht ok sind. Einer fürchtet Brüche??!! Doch die sind ebenso selten wie bei Titanimplantaten. Andere meinen, es handelt sich um Metall beim Zirkonoxid, der muß aber nochmal Grundlagen lernen: alle Keramiken basieren auf Metallbasis, verlieren aber durch den Brand ihre metalleigenschften und werden Keramiken: also keine Elektrische Leitfähigkeit mehr,nur noch geringe thermische Leitfähigkeit, keine Korrosion(die ist immer bei Metallen vorhanden, auch bei Gold. Zirkonkeramik ist m.E. das Zukunftsmaterial in der metallfreien Zahnheilkunde. Es wird sich zeigen. Ganz zu schweigen von einer unübertroffenen ästhetischen Anmutung. Übrigens: bei einteiligen Keramikimplantaten gibts keine Schraubenbrüche. Schon daher ist deren Stabilität mehrteiligen Titanimplantaten überlegen.
Dr. Peter Gerstenberg
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Portrait Dr. Marcus Parschau, Buchholz, Zahnarzt
Dr. Parschau  sagt am 03.08.2010
Tja, wie wir sehen, gibt es in der Implantologie (wie in der restlichen Medizin auch) häufig nicht richtig oder falsch!? Was in des Einen Händen wunderbar funktioniert, führt in anderen Fällen zum Desaster... :-) Ich denke mit beiden Systemen/Implantatarten kann man gute Ergebnisse erzielen. Man muß sich halt an das jeweilige Protokoll halten! Wenn Ihr Zahnarzt Ihnen das empfiehlt, wird er wahrscheinlich gute Erfahrungen damit gemacht haben?! Würde es permanent schief gehen, stünde ja auch sein guter Name auf dem Spiel... :-)

Viel Erfolg bei der Behandlung (für was auch immer Sie sich entscheiden),

Dr. Marcus Parschau.
Portrait Dr.med.dent. Walter Quack, Zahnarztpraxis, Digitale Volumentomographie, Implantologie, Zahnarzt Volumentomographie, Bergisch Gladbach, Zahnarzt, Fachkunde DVT (Digitale Volumentomographie),
Dr.dent. Quack  sagt am 03.08.2010
Der wesentliche Unterschied liegt in der Frage der Implantatoberfläche. Diese ist bei den meisten Titanimplantaten durch strahlen oder ätzen mikroangerauht und wird daher vom Knochen in aller Regel unproblematisch als "knochenähnliche" Anlagerungsfläche akzeptiert. Dies Oberflächenstrukturen gibt es zumindest derzeit bei Keramikimplantaten noch nicht. Titanimplantate weisen nach einer ganzen Reihe von seriösen Studien sehr hohe Einheilquoten größer 90% auf. Auch aus Kliniken, die mit Zirkonimplantaten auf ausdrücklichen Patientenwunsch arbeiten wurde mir wiederholt bestätigt, dass diese Einheilquoten mit Zirkon derzeit noch nicht zu erreichen sind. Ein "Null-Risiko"-Material gibt es im übrigen nicht.
Es gibt allerdings durchaus auch einteilige Titanimplantate.
 
michael22  sagt am 04.08.2010
Hallo Herr Dr. Quack, hallo Herr Dr. Parschau - gibt es denn generell eine metallfreie Alternative zu Titanimplantaten - neben den Keramikimplantaten?
Portrait Dr. Marcus Parschau, Buchholz, Zahnarzt
Dr. Parschau  sagt am 04.08.2010
Nein, da gibt es keine weitere Alternative. Aber warum soll/muss es denn metallfrei sein?
 
michael222  sagt am 04.08.2010
Hallo Herr Dr. Parschau. Na ja, aus ganzheitlichen Aspekten. Man geht ja davon aus, dass jedes Metallteil im Körper den Organismus und das Immunsystem stresst und damit die Abwehrkraft negativ beeinflussen. Metall stellt eine Dauerbelastung im Körper dar und sind mögliche Allergene. Ob man daran glaubt, ist eher eine Frage der Überzeugung... Ich habe aber auch schon von eigen Zahnärzten gehört, dass Keramikimplantate nicht so gut sind wie herkömmliche Titanimplante. Hier muss man wohl als Patient abwägen...
 
Sabine  sagt am 09.08.2010
Hallo.
Ich lese hier viel über Titan u.s.w.
Ich bin leider eine seltene Patientin mit einer Titanallergie die mehrfach nachgewiesen worden ist. Auch Zirkon mit Titan als Gemisch, sofort eine allergische Reaktion nach 5 Stunden.
Ich habe einen zahnlosen Kiefer den man mit einer herkömmlichen Prothese nicht versorgen kann, da ich einen zu kleinen Kiefer habe, zudem wenig Knochen und wenig Zahnfleisch. Verloren habe ich meine Zähne durch einen Unfall. Die restlichen Backenzähne entzündeten sich kurz danach so, dass auch die gezogen werden mussten.

Man hatte mir im OK 6 Titanimpl und im UK 5 Titanimpl. gesetzt. Danach nur Schmerzen, jucken am ganzen Körper, Gaumen wund, Entzündungen. Es hat lange dedauert bis man überhaupt darauf kam, da ich hochgradig Kontaktallergisch bin, dass ich eine Titanallergie haben könnte. Man sagt ja, soetwas gäbe es nicht oder nur selten. Aber ich habe sie nun. Und ich kenne noch merh die mit Kniegelenken die gleichen Beschwerden wie das jucken am ganzen Körper hatten. Man hatte bei denen dann mit Ziment gearbeitet und alle Beschwerden waren weg.Eine Frau hatte eine Totgeburt durch die Titanallergie was auch nachgewiesen wurde. Also soo selten ist das gar nicht. Nach der Entfernung der Impl. waren alle Beschwerden wieder weg. Mir bleibt nur der Weg über Vollkeramik. Auch daraufhin und alles was mit dem späteren Zahaufbau zusammen hängt wurde ich abgetestet. Keine Allergie. Bis auf das Gemisch.Was kann ich machen?
Oben kann man noch 6 Impl setzen und unten nur noch 4. mehr Knochen ist nicht. Oben habe ich zur Zeit eine herkömmliche Prothese die ich in Polen anfertigen ließ, da mir kein deutscher ZA soetwas bei meinen Kiefer machen wollte. Sie saß sehr gut, ist nun aber lose.Wenn es jedenfalls im UK klappen würde wäre ich zufrieden und im OK könnte ich die Prothese unterfüttern lassen. Bin nun 3 Jahre ohne Zähne. Und die Kasse macht nichts. Der eine ist in Urlaub, der andere krank. Dann ist der ZA nicht da, die Kliik die mir die Impl setzten, da ist auch der Chef in Urlaub. Ich werde noch verrückt, wollte mich schon erhängen.Denn essen kann ich nun mit der OK Prothese auch nicht mehr, da sie immer veruscht. Lebe nur von Suppen, Breis und weiche Kuchen,und werde immer dicker.
LG:
Sabine

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