Craniomandibuläre Dysfunktionen

Lesezeit: 4 Min.

Wer denkt schon bei Kopfschmerzen an Funktionsstörungen des Kiefergelenks? 

Was sind craniomandibuläre Dysfunktionen?

Craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) sind Funktionsstörungen, die durch eine Fehlstellung zwischen Cranium (Schädel) und Mandibula (Unterkiefer) verursacht werden. Diese Funktionsstörung des Kiefergelenks kann beispielsweise zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung führen, wenn der Patient den Mund öffnen will. Auch ein Ausrenken des Unterkiefers ist möglich. Dies geschieht, wenn der Gelenkkopf des Kiefergelenks aufgrund der Fehlstellung nicht richtig in der Gelenkpfanne sitzt. Es ist in jedem Fall für den Patienten meist nicht leicht, den Schmerz genau zu lokalisieren.

Kaum jemand wird bei Kopfschmerzen, Ohrgeräuschen oder Schmerzen im Gesichtsbereich unbedingt an eine Craniomandibuläre Dysfunktionen denken. Die meisten Patienten werden die Ursache eher als isoliertes Problem betrachten. Auch für den Arzt ist es sich aus diesem Grund sehr schwierig, die richtige Diagnose zu stellen. Gerade in dieser Körperregion liegen viele Strukturen beieinander, die bei einer Fehlfunktion zu ähnlichen körperlichen Symptomen führen. Auch die psychische Verfassung des Patienten spielt eine große Rolle. 

Welche Symptome treten bei einer Craniomandibulären Dysfunktion auf?

Es treten bei dieser Funktionsstörung eine Vielzahl von verschiedenen Symptomen auf. Der Patient leidet oft unter Schmerzen im Kiefer- und Gesichtsbereich. Diese Schmerzen können bis zu den Ohren oder in den Nacken hinunter ausstrahlen. Hervorgerufen werden diese Schmerzen durch Zähne, Gelenke oder durch Muskelverspannungen.

Ein weiteres Symptom ist das Gelenkknacken. Wenn bei normalen Mundbewegungen, beispielsweise beim Kauen, knackende Geräusche zu hören sind, so kann das ein Zeichen dafür sein, dass sich das Kiefergelenk nicht in der richtigen Lage befindet. Bei einem intakten Gelenk liegt der Gelenkkopf in der Gelenkpfanne und verursacht weder Geräusche, noch Schmerzen.

Tendiert ein Patient zu starkem Zähneknirschen oder presst er die Zähne unbewusst aufeinander, so deutet dies ebenfalls auf eine Funktionsstörung hin. Diese Verhaltensweisen werden als Parafunktionen bezeichnet. Die Zähne werden in beiden Fällen durch die extreme Belastung stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Zahnschmelz kann durch diesen mechanischen Reiz zerstört werden und besonders beim Knirschen können sich in den Kauflächen der Zähne regelrechte Furchen bilden.

Ein weiteres Warnzeichen ist eine Über- oder Unterbeweglichkeit des Kiefers. Bei der Überbeweglichkeit kann der Unterkiefer ausrenken, wenn der Patient den Mund sehr weit öffnet. Schlimmstenfalls kann der ausgerenkte Unterkiefer nur mit ärztlicher Hilfe wieder in die normale Position gebracht werden. Bei der eingeschränkten Bewegung des Unterkiefers - oder Kieferklemme - ist es bereits schmerzhaft, den Mund ganz normal zu öffnen. Diese Bewegungseinschränkung kann sowohl durch das Gelenk, als auch durch eine Muskelverspannung hervorgerufen werden.

Durch die Fehlfunktion des Kiefers kann sich auch eine Arthrose bilden. Mit diesem vorzeitigen Gelenkverschleiß wehrt sich der Körper gegen die Dauerbelastung. Wird die Ursache der Fehlstellung nicht beseitigt, können sich schmerzhafte Gelenkentzündungen bilden.

Auch psychische Belastungen können sich negativ auswirken. Wer unter großem Stress oder sonstigem seelischen Druck leidet, der neigt zu Spannungskopfschmerzen, Muskelverspannungen und nächtlichem Zähneknirschen.

Wie kann die richtige Diagnose gestellt werden?

Zuerst muss herausgefunden werden, ob die Beschwerden von den Zähnen oder Gelenken hervorgerufen werden oder ob sie muskulären Ursprungs sind. An erster Stelle steht deshalb eine zahnärztliche Untersuchung des vollständigen Kausystems, um eventuelle Schmerz- oder Infektionsherde ausfindig zu machen. Meist wird dabei auch eine Röntgenuntersuchung durchgeführt.

Mit einer speziellen Untersuchungsmethode, der Kinesiographie, kann der Arzt den Kiefer genau untersuchen. Mittels Kinesiographie kann abgeklärt werden, ob die Kieferbewegungen verändert sind oder eine ungünstige Lage einzelner Zähne im Kiefer die Ursache der Beschwerden ist. Eine weitere wichtige diagnostische Maßnahme ist die Elektromyographie. Mit diesem Verfahren kann der Arzt herausfinden, ob Verkrampfungen der Muskulatur Schmerzauslöser sind.

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Symptome ist es relativ zeitaufwendig, zur richtigen Diagnose zu gelangen und sowohl Arzt, als auch Patient wird einiges an Geduld abverlangt.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Die richtige Behandlung hängt vom Ursache der Beschwerden ab. Liegt das Problem im zahnärztlichen Bereich, so wird der Zahnarzt beispielsweise eine sogenannte Aufbissschiene (Knirscherschiene) empfehlen. Diese Schiene aus Kunststoff schützt die Zähne vor der übermäßigen Belastung, die beispielsweise durch das Zähneknirschen entsteht. Sind hervorstehende Zähne oder Kronen der Grund für die Fehlbelastung, so müssen sie den übrigen Zähnen angeglichen werden. Abhängig vom Zustand der Zähne und des Kiefers kann der Zahnarzt eventuell auch noch einen Kieferorthopäden zu Rate ziehen, der weitere Behandlungen durchführt.

Liegen die Beschwerden mehr im muskulären Bereich, so ist das erste Ziel, die verkrampften Muskeln zu lockern. Dies erreicht man mit Massagen und verschiedenen anderen physikalischen Therapien. Ergänzend sind physiotherapeutische Maßnahmen angezeigt. Ziel hierbei ist es, bestimmte Fehlhaltungen auszugleichen und die Muskeln zu kräftigen.

Sind die Beschwerden hauptsächlich psychischer Ursache, so ist es wichtig, den Patienten zu einer Verhaltensänderung anzuleiten. Entspannungsübungen wie Yoga oder Autogenes Training sind in diesem Fall sehr sinnvoll.

Fazit

Nicht nur die Diagnose ist kompliziert und vielschichtig, sondern auch die Behandlung. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt ist für den Behandlungserfolg unbedingt notwendig.

Der Patient sollte sich bei der Therapie nicht nur auf den Arzt verlassen, sondern aktiv mitarbeiten. Wichtig ist es, dass er sich selber sehr gut beobachtet und unter Umständen ein Verhaltens- oder Beobachtungstagebuch führt. Dort kann er nicht nur alle Symptome notieren, sondern eventuell auch den Schmerzauslöser, wenn er bestimmte Zusammenhänge feststellen kann. Ein Verhaltenstagebuch ist besonders zu empfehlen, wenn die Beschwerden durch eine Fehlbelastung der Muskulatur - beispielsweise bei stundenlanger Arbeit vor dem Computer - oder durch psychische Ursachen hervorgerufen werden.



Letzte Aktualisierung am 08.10.2009.
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fragt Paradentohexe vor > 4 Jahre  374

Hallo zusammen,

bin eine starke Bruxerin und presse nachts die Zähne aufeinander. Hatte früher Aufbissschienen über den gesamten Kiefer, die ... mehr

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