Hypodontie und Oligodontie - wenn Zähne von Geburt an fehlen

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Nicht vollzählige Zähne erfordern ein langfristiges Behandlungskonzept

Mit Hypodontie und Oligodontie wird das Fehlen eines oder mehrerer Zähne von Geburt an bezeichnet. Bei der Anodontie bilden sich überhaupt keine Zähne aus, die Anlage dazu fehlt gänzlich – doch ist dieses Phänomen meist an schwere genetische Defekte gekoppelt und äußerst selten.

Hypodontie und Oligodontie - wenn Zähne von Geburt an fehlen
Hypodontie und Oligodontie - wenn Zähne von Geburt an fehlen

Fehlt die Anlage zu einzelnen Zähnen, wird die Anomalie häufig erst spät entdeckt. In der Regel verfügen Menschen über 20 Milchzähne und später über 28 endgültige Zähne, dazu kommen möglicherweise noch vier Weisheitszähne.

Bei genetisch bedingten Abweichungen fehlt am häufigsten der 2. Prämolar, der „Vormahlzahn“ vor den eigentlichen Backenzähnen entweder im Ober- oder Unterkiefer. Für diesen Zahn ist auch kein Milchzahn als Platzhalter vorhanden.

Die am zweithäufigsten fehlenden Zahnanlagen betreffen den seitlichen Schneidezahn im Oberkiefer oder den mittleren Schneidezahn im Unterkiefer. Ohne zahnärztliche Vorbereitung drohen hier neben kieferorthopädischen Komplikationen auch unerwünschte ästhetische Folgen. Denn vorhandene Zähne haben die Tendenz, Lücken im Kiefer auszufüllen: Sie wachsen entsprechend schief oder verkantet oder schädigen das Zahnfleisch.
Die Nichtanlage von Zähnen erfordert daher im Regelfall medizinisches Eingreifen.

Normale Zahnprothesen oder Brücken sind problematisch: Haltezähne für den Zahnersatz müssten dazu bewusst in ihrer Substanz geschädigt werden. Lebensqualität und Aussehen insbesondere sehr junger Patienten würden auf Dauer massiv beeinträchtigt, wenn auch der Kieferknochen schwach ist und erst eine längere Prozedur des Knochenaufbaus eine stabile Auflage für eine Brücke schafft.

Je nach Situation, etwa beim Fehlen von Einzelzähnen und normal ausgebildeten Kieferknochen helfen jedoch bereits Maßnahmen der Kieferorthopädie, chirurgische Eingriffe sind gar nicht nötig.

Daher gilt es, im Vorfeld zu ermitteln:

  1. Wie groß sind die Lücken tatsächlich?
  2. Sind die vorhandenen Zähne vollständig und in normaler Größe ausgebildet oder klein und schwach?
  3. Wie sind die Position von Kieferknochen und Zahnstellung insgesamt?
  4. Wie ist der Kieferknochen beschaffen?

Eine Möglichkeit ist das frühzeitige Ziehen einzelner Milchzähne – die bleibenden Zähne rücken unter Umständen korrekt nach und schließen die Lücke. Fehlende Einzelzähne können jedoch auch sehr gut per Implantat ersetzt werden.

Gesunde, kräftige Milchzähne können aber auch erhalten und anschließend sofort nach Abschluss des Kieferwachstums durch ein Implantat ersetzt werden.

Problematischer wird es, wenn per Veranlagung mehrere Zähne fehlen. Sehr oft ist dann auch der übrige Zahnbestand oder der Kiefer schwach ausgebildet. Beim Kind kann bereits mit kieferorthopädischen Maßnahmen die spätere Arbeit mit Implantaten als Verankerung für festen weiteren Ersatz begonnen werden. Zahnarzt, Kieferorthopäde und Chirurg sollten hier gemeinsam ein Konzept entwickeln, das nach Ende der Wachstumsphase umgesetzt wird.

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