Zahnschmerzen (Odontalgie, Dentalgie)

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Oft sind Zahnprobleme die Ursache für die Schmerzen

Bei jedem Bissen zieht es, sogar ein kalter Lufthauch spürt man bis zur letzten Haarspitze. Manchmal tut Kälte gut bei Zahnschmerzen, manchmal so gar nicht. Fast jeder hatte dieses Erlebnis bereits ein – oder mehrmals, und wer nicht, gehört zu den wenigen Glücklichen. Im Folgenden wird darüber aufgeklärt, was Schmerz überhaupt ist, ob er einen Sinn hat und wie besonders der Zahnschmerz entsteht. Vorallem welche Formen es von Zahnschmerz gibt, wie der Zahnarzt die richtige Ursache findet und welche Therapie gemacht wird. Nicht immer bedeuten Zahnschmerzen das Aus für den Zahnnerv, also die Wurzelkanalbehandlung, wie oft fälschlicherweise angenommen wird.

Ursachen

Die häufigste Ursache für Zahnschmerzen ist die altbekannte Karies. Sie beginnt immer ganz klein und unscheinbar an der äußersten Schicht des Zahnes, dem Schmelz. Durch die Stoffwechselprodukte entsteht ein saures Milieu, welches zu Beginn Mineralien aus dem Schmelz herauslöst. Man erkennt oft beim genauen Hinschauen eine weiße, milchige Oberfläche an der Stelle. Solch eine Karies wird auch Oberflächenkaries genannt. Durch das Herauslösen der Mineralien wird der Schmelz wesentlich empfindlicher und weicher, sodass die Karies leichter in das Zahnbein (Dentin) eindringen kann. Bis dahin ist die Oberflächenkaries noch völlig unbedenklich und dann aufgehalten, bzw. sogar rückgängig gemacht werden. Dazu ist eine besonders gute Mundhygiene erforderlich und der Patient bekommt die Verwendung von hochdosierten Fluoridpräparaten empfohlen (z.B. Elmex Geleé).

Eine Oberflächenkaries wird nicht als Schmerzhaft empfunden! Sie kann also nur durch einen aufmerksamen Patienten oder ein geschultes Zahnarztauge entdeckt werden. Liegt sie zwischen den Zähnen, bleibt so oft unentdeckt. Dringt die Karies tiefer in den Zahn ein, erreichen erste Giftstoffe den Nerven. Entweder direkt oder über kleine Kanälchen, die im Zahnbein (Dentin) liegen und Stoffwechselprodukte zum Zahnnerven (Pulpa) transportieren. Es gibt eine Unterscheidung zwischen zwei Schmerzcharaktere. Man geht davon aus, dann eine Chance besteht, um eine Wurzelkanalbehandlung herum zu kommen, wenn der Schmerz auf Kälte ziehend ist und nur eintritt, wenn ein Reiz da ist. Zum Beispiel eben Kälte, aber auch Süßigkeiten oder hartes Aufbeißen. Schlechter sieht es aus, wenn der Zahn permanent pocht, Kälte den Schmerz vermindert und besonders starke Schmerzen in der Nacht auftreten. Das sind die verschiedenen Möglichkeiten an Schmerzen, die auftreten, wenn sie durch Karies verursacht werden.

Eine zu dünne, abgeschliffene Schmelzschichtdicke kann Karies schneller entstehen lassen. Der dicke Schutzmantel fehlt oder ist stark vermindert und Kälte sowie Wärme, chemische „Gifte“, mechanische Reize und auch Karies haben einen einfacheren Zugang zum Zahnbein und damit zum Nerven. Der Schmelz kann verloren gehen, wenn die Zähne zu heftig und zu einseitig „geschrubbt“ werden. Man sieht oft, dass Rechtshänder unten links im Kiefer „weggeschrubbte“ Zahnhälse haben. Für einen Rechtshänder ist es am einfachsten, an der Stelle viel Kraft aufzubringen ohne das Handgelenk umständlich verbiegen zu müssen.
Eine weitere Ursache kann aber auch das Knirschen sein. Dann befinden sich die Schmelzläsionen eher auf dem Zahn oder an der Schneidekante. Man erkennt richtige Schlifffacetten. Die Eckzähne sind so rund, dass sie kaum noch von den Schneidezähnen unterschieden werden können. Knirschen kann aber auch zu ausgesprengtem Schmelz am Zahnhals führen: Es wird Spannung und Kraft aufgebaut, die sich bedingt durch Spannungslinien, die durch den Zahngehen, dort entlädt.

Ist die Karies tief genug vorgedrungen, hat sie den Nerven erreicht und der Patient bekommt höllische Schmerzen. Die Entzündung breitet sich auf die gesamte Zahnwurzel aus und kann sogar den umliegenden Knochen mit einbeziehen. Der Nerv stirbt ab, es entsteht eine sogenannte Nekrose. Dadurch, dass der Zahn tot ist, findet kein Austausch von Nährstoffen und Abwehrstoffen statt. Somit kann das gesamte Innere des Zahnes von Bakterien und deren Stoffwechselprodukten belagert werden, ohne dass er sich verteidigt. Die Bakterienmenge wird also immer mehr und breitet sich aus, zum Beispiel in den Knochen. Unbehandelt kann das zu einem Abszess (Eiteransammlung) oder einer Zyste (flüssigkeitsgefüllte Blase) führen, im schlimmsten Fall zu einer Knochenentzündung, die lebensbedrohlich werden kann.

Es gibt vererbte, angeborene und erworbene Schmelzentwicklungsstörungen, die zu Zahnschmerzen führen. Eine vererbte Schmelzveränderung kann als alleiniges Krankheitsbild auftreten, oder kombiniert mit anderen, schweren Erkrankungen. Nicht selten treten sie zusammen mit Herzkrankheiten auf oder starken Stoffwechselstörungen . Bei der genetisch bedingten Störung sind alle Zähne betroffen. Milchzähne und bleibende Zähne können gleichermaßen erkrankt sein. Eine mögliche Krankheit wäre beispielsweise die Amelogenesis imperfecta. Erworbene Schmelzbildungsstörungen sind daran gut zu erkennen, dass sie selten an allen Zähnen vorkommen, sondern asymmetrisch und auf einzelne Zähne begrenzt. Entstehen können sie, wenn ein kleines Kind eine Milchzahnverletzung hat, zum Beispiel durch einen Sturz, und der darunter liegende Zahnkeim verletzt wird. Die Entwicklung des Schmelzen kann anschließend gestört sein. Dementsprechend sind am häufigsten die Frontzähne betroffen. Befinden sich im Knochen oder in der näheren Umgebung Entzündungen während der Zahnentwicklung, kann der Zahnkeim davon schaden nehmen. Wie stark der Schmelz des Zahnes beschädigt ist, hängt ab von Dauer , Art und Lage der Entzündung. Besonders im Ausland entstehen Schmelzschäden durch Mangelernährung. Vitanin A- Mangel und Kalziummangel stellen ein besonders großes Problem dar.

Generell können Schäden durch äußere Einflüsse vor der Geburt, während der Schwangerschaft oder nach der Geburt entstehen, denn die Zahnentwicklung zieht sich über einen längeren Zeitraum. Ist die Mutter während der Schwangerschaft krank, kann sich das auf den Zahnschmelz des Kindes auswirken. Gemeint ist hierbei die Schwangerschaftsdiabetes, die Infektion von Röteln bei mangelnder Impfung, zu wenig Kalzium und Vitamin A während der Schwangerschaft. Der häufig benutzten Phrase „ ich habe von Geburt an schlechte Zähne“ ist somit zumindest ein Fünkchen an Wahrheit zuzusprechen, obwohl die Kariesentstehung weitaus komplexer ist. Im den ersten Lebensjahren des Kindes gibt es noch weitere Risikofaktoren, die zu fehlerhaft gebildeten Schmelz führen können. Manche Medikamente haben Auswirkungen auf die Schmelzbildung, genauso wie eine Fluoridüber und – unterdosierung. Masern, Keuchhusten, Lungenentzündung sowie auch leicht Windpocken und Ohreninfektionen stehen im Zusammenhang mit Schmelzfehlbildung.

Zahnfleischentzündungen und Entzündungen des Zahnhalteapparates werden von manchen Patienten als Zahnschmerzen fehlinterpretiert. Strenggenommen schmerzt jedoch das Gewebe drum herum und nicht der Zahn selbst. Damit ist dazu kommt, müssen viele Faktoren zusammentreffen und Krankheitsbild der Parodontitis oder Gingivitis (Zahnfleischentzündung) ist durchaus sehr komplex. Unumstritten ist der Einfluss von Rauchen, Diabetes und schlechter Mundhygiene.

Bekommt ein Patient eine feste oder lose Zahnspange, kann das vorläufig zu Zahnschmerzen führen. Auf die Zähne wird ein neuer, ungewohnter Druck oder Zug aufgebaut, auf welchen der Organismus reagiert. Die Schmerzen lassen in der Regel nach 2-3 Tagen nach. Schlecht sitzende Prothesen scheuern auf der Schleimhaut und führen zu Druckstellen. Besonders neu eingegliederte Prothesen führen zu Problemen oder aber wenn sie zu selten getragen werden. Patienten mit Mundtrockenheit haben generell öfters ein Problem mit Druckstellen. Der Zahnersatz fühlt sich an wie ein störender Fremdkörper und reibt im Mund wie auf Sandpapier.

Nachdem ein Zahn gezogen wurde (Extraktion) kann es kurzzeitig zu Schmerzen kommen. Diese sind erfahrungsgemäß nicht so dramatisch und klingen nach kurzer Zeit wieder ab. Werden diese jedoch immer schlimmer, gesellen sich Mundgeruch und Fieber hinzu, wird es höchste Zeit den Zahnarzt aufzusuchen. Es könnte sich eine Wundheilungsstörung breit gemacht haben. Durchbrechende Zähne verursachen bei Kleinkindern und Erwachsene (Weißheitszähne) starke Schmerzen. Diesen Zeitraum gilt es durchzustehen. Liegt jedoch ein erschwerter Zahndurchbruch vor (Dentitio difficiles),treten starke Symptome auf. Neben Schmerzen und Schwellungen machen sich Schluckbeschwerden breit, der Betroffene bekommt Fieber, Mundgeruch und ggf. eine Kieferklemme. Manchmal bildet sich eine Schleimhautkapuze um den Zahn, die entzündet ist, weil sich Nahrungsreste darunter sammeln. Sie muss gereinigt werden. Teilweise können Zahne nicht durchbrechen, weil im Kiefer nicht genügend Platz ist, um einen weiteren Zahn einzureihen. Man sollte versuchen, das Problem kieferorthopädisch zu lösen. Anderenfalls muss der Zahn gezogen werden. Natürlich bereiten Verletzungen im Mundraum und an Zähnen auch Schmerzen. Nach einem Sturz oder einer Verbrennung treten Schmerzen auf, den wohl schon viele von uns gespürt haben.

Neben den klassischen Zahnschmerzen gibt es auch noch den Phantomzahnschmerz. Dieses Phänomen ist nicht sehr bekannt. Im Fachjargon heißt es atypische Odontalgie. Schon seit 200 Jahren gibt es Untersuchungen zu den Schmerzen, die nach Extraktion, Wurzelkanalbehandlung oder nach dem Entfernen einer Wurzelspitze auftreten. Patienten berichten gehäuft, dass der Schmerz nach einem Traum auftritt, die Symptome können Monate oder Jahre anhalten. Bevorzugt ist der Oberkiefer im Bereich der kleinen und großen Backenzähne. Interessanterweise sind die Patienten nie nachts vom Schmerz geplagt. Die Schmerzqualität scheint den normalen Zahnschmerzen sehr ähnlich zu sein. Lange Zeit war die Ursache unklar. Mittlerweile weiß man, dass diese Art von Schmerzen entstehen, wenn Teile des Nervenapparates, das für die Schmerzweiterleitung verantwortlich ist, zerstört wird. Eben im Zuge einer Extraktion zum Beispiel. Prinzipiell ist es aber gleichgültig, ob die Schädigung mechanisch, durch schädliche Stoffwechselprodukte oder durch Viren vollzogen wird. Sogar wenn das Gewebe anschließend heilt, bleibt der Schmerz bestehen und das macht den Phantomschmerz aus.

Wenn sich der Schmerz auf Teile des Gesichtes ausbreitet, wird von atypischem Gesichtsschmerz gesprochen. Es gibt keine eindeutigen Anzeichen für den Phantomzahnschmerz. Genauer genommen wird er diagnostiziert, wenn alle Anzeichen FÜR Schmerz fehlen. Es handelt sich also um eine Ausschlussdiagnostik. Dabei handelt es sich um das eigentliche Problem: Behandler und Patient werden gleichermaßen nach einer Ursache für den Schmerz suchen. Der Zahnarzt wird eine Therapie vorschlagen und diese wird scheitern. Eventuell werden unnötigerweise Zähne gezogen oder Wurzelkanalbehandlungen gemacht, ohne dass sich eine Veränderung einstellt. Der Patient verliert das Vertrauen ist den Zahnarzt und wird von diesem möglicherweise als psychisch auffällig eingestuft, wenn er nach der Therapie immer noch über Schmerzen klagt.

Eine Entzündung der Mundschleimhaut, welcher Art auch immer, kann auf einen kranken Zahn übergreifen und dort Schmerzen auslösen. Die Wechselwirkungen zwischen Zahn und Gewebe sind groß und sollten nicht vernachlässigt werden: ein kranker Zahn kann zu einer Entzündung der Umgebung führen und umgekehrt.

In Höhengebieten, wie etwa beim Wandern, Bergsteigen oder anderen Aktivitäten, kann es durch höhenbedingten Zahnschmerzen kommen. Diese Phänomen nennt man Barodontalgie und bleibt bereits geschädigten Zähnen vorbehalten. Bedingung, damit ein Schmerz entstehen kann, ist ein luftgefüllter Raum. Das könnte eine Karies sein oder eine Zyste (flüssigkeitsgefüllter Hohlraum). Der Umgebungsdruck sinkt in der Höhe und da sich die Zahnhartsubstanz nicht zusammenziehen kann, kommt es zu einer Implosion im Zahn, welche die Schmerzen verursacht. Eine intakte Füllung, ein Implantat oder sonstiger, gut erhaltener Zahnersatz ist unbedenklich und führt zu keinen Schmerzen.

Eine Erkältung oder eine Nasennebenhöhlenentzündung Schmerzen im Oberkiefer verurusachen, besonders beim Vornüberbeugen des Kopfes. Die Backenzähne im Oberkiefer können beim Beklopfen sehr schmerzhaft sein. Der Zahnarzt muss sicher sein, ob es sich um Zahnschmerzen handelt oder die Auswirkungen einer Erkältung sind. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Zahn fälschlicherweise gezogen oder wurzelkanalbehandelt wird. Deswegen ist es besonders wichtig, im Anamnesebogen anzugeben, welche Erkrankungen man zur Zeit hat.

Beim Herpes Zoster, der Gürtelrose, machen sich Viren in Nerven bemerkbar, die wir uns als Kinder bei den Windpocken eingefangen haben. Selbstverständlich können auch die Nerven betroffen sein, die für das Gefühl in den Zähnen zuständig sind. Eine Erkrankung an Gürtelrose kann also zu einer Art Zahnschmerz führen. Beim Glaukomanfall (grüner Star) oder Herzinfarkt können Zahnschmerzen Vorboten einer akuten Notsituation sein. Sie treten aber nie alleine auf, sondern immer gepaart mit einer Reihe weiterer typischer Symptome und gehört in die Hand von Spezialisten.

Wie werden Zahnschmerzen ausgelöst?

Der Körper hat viele Mechanismen entwickelt, um einer entstehenden Karies entgegenzuwirken, nach einer gewissen Zeit muss sich das System jedoch geschlagen geben und die Karies führt zum Schmerz. Das System aus Zahnfleisch, Aufbau der Zähne und die Zusammensetzung von Speichel sind perfekt darauf abgestimmt, Bakterien, Zucker und andere Schädlinge vom Zahn und seinem Halteapparat fern zu halten. Der Zahnschmelz ist die äußerste Schicht des Zahnes und das härteste natürliche Material im menschlichen Körper. Er stellt eine erste Barriere gegen Säuren dar, die von Bakterien produziert werden. Unter dem Schmelz ist das Dentin, das Zahnbein, welches viel weicher ist und deswegen vom Schmelz geschützt wird. In ihm verlaufen schon kleine Nervenfasern und sobald die Karies das Dentin erreicht hat, macht sie sich in Form von Schmerzen bemerkbar. Darunter befindet sich der weiche Kern des Zahnes, die Pulpa, der Nerv. In ihr verlaufen alle lebenswichtigen Gefäße, die benötigt werden, um den Zahn zu versorgen, wie auch das gesamte Immunsystem. Erste Schadstoffe können so in Schacht gehalten werden. Der Nerv zieht sich von Zahn in den Knochen und geht in größere Gefäße und Nervenfasern über. Nach unten in den Knochen ist der Zahn durch den Zahnzement abgegrenzt. Er stellt die schützenden Barriere gegen Keime im Zahnhalteapparat dar.

Nicht zu vergessen ist der Speichel. Seine Rolle darf nicht vernachlässigt werden. Seine große Rolle wird erst klar, wenn er wegbleibt, bei der Mundtrockenheit. Es hat eine wichtige Spülfunktion, dadurch können Plaque und Bakterien sich weniger schnell festsetzen, außerdem hilft er, den pH auf einem Wert zu halten, der zahnfreundlich ist. Von Säuren aus dem Schmelz herausgelöste Mineralien werden durch Mineralien im Speichel wieder ersetzt. Zudem enthält er Abwehrstoffe, die die Entstehung von Entzündungen verhindern. Wird eine dieser Schichten nun verletzt, sei es durch Karies, Verletzungen etc. wird der äußerste Mantel durchbrochen. Das kann durch den Schmelz sein, aber auch am Zahnfleisch. Parodontitis ist hier das Stichwort. Durch eine Kombination aus schlechter Mundhygiene, erbliche Veranlagung, kombiniert mit Rauchen kann es zu zerstörenden Porzessen kommen, die den Zahnhalteapparat massiv schädigen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Zahnverlust.

Diagnose

Wie findet der Zahnarzt eigentlich raus, welcher Zahn schuld an meinen Schmerzen ist, oder OB überhaupt ein Zahn die Ursache darstellt. Viele Patienten haben immer noch Angst zum Zahnarzt zu gehen, weil sie befürchten, ein falscher Zahn könnte gezogen werden. Man sollte sich sofort um einen Termin kümmern, wenn Schmerzen auftreten. Auch, wenn sie nur auf z.B. kalte Speisen entstehen. Gerade in diesem Stadium kann der Zahn noch vollständig geheilt werden. Wird die Therapie verzögert, kann es für den Zahn nur schlechter werden. Das Gleiche gilt für regelmäßiges Zahnfleischbluten und Zahnschmerzen, die scheinbar ohne jeden Zusammenhang entstehen. Ein Warnsignal sollte ohnehin eine dicke Backe sein. Gesellen sich dazu noch starke Kopf- oder Gesichtsschmerzen, ist Vorsicht geboten.

Beim Zahnarzt angekommen, wird man zuerst über die Schmerzqualität befragt. Seit wann sie bestehen, ob sich die Art des Schmerzes verändert hat, am besten zeigt man auf die Stelle, wo es wehtut. Nicht immer kann der Patient genau Angaben machen. Interessant zu wissen ist noch, ob es Allgemeinsymptome wie Fieber und Übelkeit gibt. Auch eine vorangegangene Erkältung sollte erwähnt werden. Anschließend wird sich der Zahnarzt mit der Mundhöhle befassen und sie inspizieren. Der Spiegel wird mit Spiegel und Sonde abgesucht, manchmal fällt einem der Übeltäter direkt ins Auge. Hin und wieder gleicht die Suche nach dem schuldigen Zahn aber auch einem spannenden Krimi. Mit der Sonde wird die dicke der Plaque kontrolliert um einen allgemeinen Eindruck zur Mundhygiene zu bekommen. Außerdem werden Füllungsränder und Kronenränder abgefahren, um sie auf deren Dichtigkeit zu untersuchen.

Karies erkennt man an der Dunkelfärbung, aber nicht jede Verfärbung ist auch Karies. Wird mit der Sonde über die Zahnoberfläche gekratzt, entsteht ein Geräusch, dass ein erfahrener Zahnarzt als harmlos oder kritisch einteilen kann. Mit einer anderen, nicht ganz so spitzen Sonde, schaut sich der Zahnarzt das Zahnfleisch an und ob sich eventuell Taschen gebildet habe, in denen Plaque und Bakterien ihr Unwesen treiben. Oft führen entzündete Zahnfleischtaschen neben Zahnfleischbluten zu fürchterlichen Schmerzen.
Stichprobenartig werden die Taschentiefen im gesamten Gebiss gemessen und schnell erhält der Zahnarzt einen Eindruck davon, ob sie an der Misere schuld sein können.

Anschließend wird mit einem Kalten Spray oder Eis getestet, ob der Nerv des Zahnes noch intakt ist. Also, ob der Patient die Kälte spürt. Bei dicken Keramikkronen kann das schon mal länger dauern. Bei wurzelkanalbehandelten Zähnen versucht man dies natürlich vergeblich, so auch bei Zähnen, deren Nerv abgestorben ist und ein entzündliches Geschehen nun für Schmerzen sorgt. Beim Perkussionstest wird mit dem hinteren Ende eines zahnärztlichen Instrumentes auf die Krone geklopft. Im Normalfall stört uns das überhaupt nicht. Je nach Entzündungsgrad wird diese Klopferei als schmerzhaft empfunden und ist ein Zeichen für den Zahnarzt, dem er nachgeht. So tatstet sich der Behandler nach und nach vor und kommt der Ursache immer näher.

In gewissen Situationen wird ein Röntgenbild gemacht, um Klarheit zu erlangen. Karies zwischen den Zähnen ist mit dem bloßen Augen nicht immer sichtbar. Prozesse, die sich schon in den Knochen vorgewagt haben, oder Wurzelkanalentzündungen lassen sich so nicht nur entdecken, sondern auch beweisen. In regelmäßigen Abständen Röntgenbilder zu machen ist es, das jedem Patienten ans Herz gelegt werden sollte. Natürlich muss ein vernünftiges Verhältnis zwischen Strahlenbelastung und Effizienz und Notwendigkeit einer solchen Aufnahme gefunden werden.

Es gibt Parodontitisformen, bei denen sammeln sich Bakterienarten in der Tasche an, die besonders resistent sind. Eine normale Therapie würde nicht anschlagen, deswegen kann ein Abstrich entnommen und in ein Labor eingeschickt werden. Daraufhin kann ein passendes Antibiotikum ausgewählt werden, welches die Erreger effektiv besiegt.

Therapie

Wurde der Grund für die Schmerzen endlich entdeckt, gilt es zu handeln um den Patienten möglichst schnell von dem Leiden zu befreien. Liegt eine tiefe Karies vor, muss diese natürlich vollständig entfernt werden. Dazu bohrt der Zahnarzt die erkrankten Teile weg, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Ist die Karies schon besonders tief vorgedrungen, kann es passieren, dass der Nerv beschädigt wurde. Entweder durch die Karies selbst oder durch das Entfernen der Karies. Wir sprechen hier von einer Gradwanderung von wenigen µm. Sogar wenn der Nerv nicht berührt wurde beim Schleifen, kann der der Füllung „hochgehen“. Denn durch die Karies ist der zahn schon sehr angeschlagen. Durch das Bohren und die Zusammensetzung in der Füllung erfährt er weiteren Stress, das kann manchmal der Tropfen Wasser sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das muss nicht sofort passieren. Manchmal tritt der Zustand erst ein, wenn der Patient eine Allgemeinkrankheit hat und das Immunsystem runtergefahren ist.

Bei kleineren Defekten reicht eine Füllung jedoch auf, um das Übel zu beseitigen und der Zahn gibt Ruhe. Bei einer tiefen Karies, die den Nerven erreicht hat, bekommt der Patient zuerst eine medikamentöse Einlage, die die Schmerzen mindert und die Entzündung hindert, sich weiter auszubreiten. Zum Verschluss gibt es eventuell erstmal eine provisorische Füllung. In weiteren Sitzungen wird die Wurzelkanalbehandlung beendet und eine endgültige Füllung auf die Krone.

Ist ein Abszess, also eine Eiteransammlung der Grund für die starken Schmerzen, dann muss dieser unter örtliche Betäubung gespalten werden und anschließend wird der schuldige Zahn wurzelkanalbehandelt. Sind die Schmerzen durch einen Unfall entstanden, wird über die Therapie je nach Schweregrad entschieden. Mal reicht es, den Zahn zu schonen und den Defekt mit einer Füllung wieder herzustellen und mal muss er geschient werden. Heute gibt es viele Möglichkeiten, einen Zahn zu retten.

Liegt eine Parodontitis vor, muss sich der Patient möglicherweise einer langwierigeren Therapie unterziehen. Das Auge für eine gründliche Mundhygiene muss geschult werden, genauso wie die Umsetzung und das Verständnis für die Erkrankung muss erworben werden. In der akuten Notsituation kann die Tasche gereinigt werden und manchmal wird ein Gel eingebracht. Der Erfolg ist jedoch nur von kurzer Zeit und eine durchdachte Parodontitistherapie ist unumgänglich.

Liegen Entzündungen in der Mundschleimhaut, müssen diese natürlich beseitigt werden. Zuersteinmal muss festgestellt werden, weshalb sie entstanden sind. Anschließend kann durch Medikamente, Spüllösungen, Antibiotika und bessere Mundhygiene die Therapie angegangen werden. Sind zurückliegende Erkältungen oder Nasennebenhöhlenentzündungen für ein Pochen im Oberkiefer verwantwortlich, kann der Zahnarzt nichts unternehmen. Der Patient muss sich entweder gedulden und eine Genesung abwarten, oder einen Allgemeinmediziner aufsuchen.

Beim Phantomzahnschmerz hat man bisher noch nicht die ideale Therapie gefunden. Der Patient wird darüber aufgeklärt, dass die Therapieerfolge eher gering sind. Aufklärung ist das jede Herzstück einer Therapie, damit der Patient weiß, was realistisch ist und nicht aus Enttäuschung das Vertrauen in den Zahnarzt verliert. Oft fordern die Patienten den Zahnarzt geradezu auf, etwas zu unternehmen, weil sie den Schmerz nicht ertragen können. In diesem Fall muss der Zahnarzt geduldig erklären, dass es nichts gibt, was zahnärztlich behandelt werden könnte. Die Patienten können Antidepressiva verschrieben bekommen, mit dem Hinweise, dass sie diese nicht bekommen, weil sie psychisch krank sind, sondern weil sie die Schmerzwahrnehmung verändern. Ähnliches gilt für Medikamente gegen epileptische Anfälle, auch wenn es dazu noch keine Studien gibt, die das eindeutig belegen. Zusätzlich kann ein Oberflächenanästhetikum aufgetragen werden. Der Besuch eines Schmerztherapeuten kann zusätzlich angeraten werden.

Entstehen Zahnschmerzen zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, kann der zahnärztliche Notdienst aufgesucht werden oder man kann Schmerzmittel einnehmen, Ibuprofen sind an der Stelle zu empfehlen, wenn keine Unverträglichkeit vorliegt. Schwangeren wird im Allgemeinen Paracetamol angeraten. Kühlende Umschläge können eventuell für eine kurze Zeit Linderung verschaffen.

Um Zahnschmerzen gar nicht erst entstehen zu lassen, ist die Mundhygiene natürlich das A und O. Jedem sollte bekannt sein, dass man mindestens 2-mal täglich die Zähne putzen sollte. Es wurde zwar festgestellt, dass auch seltener in Ordnung ist, wenn man wirklich perfekt putzt, also sich quasi einer professionellen Zahnreinigung unterzieht. Aber welcher normale Mensch putzt schon so gut?! Um ein gutes Gefühl für die Sauberkeit im Mund zu bekommen, gibt es Mittel, die die Plaque anfärben. Nicht selten glaubt man, sich prima die Zähne geputzt zu haben und plötzlich sieht man, dass man an bestimmen Flächen enorme Schwachpunkte hat.

Die Zahnbürste darf natürlich nicht zu alt sein und sollte nicht „hart“ sein. Das verleitet dazu, die Zähne zu schrubben. Somit entstehen schnell Zahnhalsdefekte, die nicht nur hässlich aussehen, sondern auch schmerzhaft sind. Sollte keine Unverträglichkeit gegen Fluorid vorliegen, sind fluoridhaltige Zahncremes das Mittel der Wahl. Mundspüllösungen sollten nur ohne ärztlichen Rat längere Zeit angewendet werden, die bringen die natürliche Mundflora aus dem Gleichgewicht.

Nachdem man saure Produkte gegessen oder getrunken hat (Obst, Apfelsaftschorle, Cola),sollte man eine halbe Stunde warten, ehe man sich die Zähne putzt. Dass Rauchen im Allgemeinen ungesund ist, ist vielen bewusst, wird jedoch gern auf die leichte Schulter genommen. Rauchen hat jedoch einen enorm massiven Einfluss auf die Zahngesundheit und sollte deswegen unterlassen werden. Es ist außerdem gesünder, 3 Mahlzeiten am Tag zu sich zu nehmen statt viele kleine Portionen, die schädlich für die Zähnen sind. Der Grund ist Folgender: mit jedem Häppchen nimmt der pH im Mund ab, es dauert immer eine gewisse Zeit, bis er sich normalisiert hat. Daher ist es logisch, dass der pH sich nie richtig regenerieren kann, wenn man ständig etwas isst.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt sind natürlich enorm wichtig. So können brodelnde Prozesse direkt im Keim erstickt werden, Zahnschmerzen verhindert werden und die Zahngesundheit erhalten.



Letzte Aktualisierung am 20.08.2012.
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